Arbeiten mit Agar und Petrischalen: Die Basis aller Pilzkulturen
- Jonas Hahn
- 13. Apr.
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 13. Juli
Agar-Arbeiten sind für viele Züchter das Fundament, auf dem alles aufbaut. Petrischalen ermöglichen es dir, reine Kulturen zu isolieren, Pilzsorten zu lagern und den Zustand deiner Kulturen genau zu beobachten. Die visuellen Zeichen des Myzelwachstums helfen dir, Kontaminationen früh zu erkennen und zu reagieren.
Die klassischen Rezepte
Die klassischen Rezepte haben sich bewährt. Malzextrakt-Agar (MEA) ist universell einsetzbar und fördert ein ausgezeichnetes Myzelwachstum. Als Faustregel für die Mengen rechnest du pro Liter mit etwa 20 Gramm Malzextrakt (rund 2 %), 15–20 Gramm Agar (rund 1,5–2 %) und 3–4 Gramm Hefe-Extrakt; den Rest füllst du mit destilliertem Wasser auf. Für vier Liter MEA brauchst du also rund 80 Gramm Malzextrakt und 60–80 Gramm Agar. Kartoffel-Dextrose-Agar (PDA) ist ebenfalls beliebt, besonders bei feuchtigkeitsliebenden Pilzen.
Wichtig zur Agar-Menge: Agar muss in ausreichender Konzentration (etwa 1,5–2 % bzw. 15–20 g je Liter) eingesetzt werden, damit das Medium fest geliert. Deutlich geringere Mengen – etwa nur 15–20 g auf vier Liter – ergeben kein tragfähiges Gel und sind für Plattenkulturen ungeeignet.
Alles wird in einem Topf verrührt und langsam erhitzt, bis das Agar sich vollständig auflöst (nicht kochen!). Anschließend wird das Medium sterilisiert. „Sterilisieren“ bedeutet hier nicht einfaches Erhitzen, sondern eine Dampfdrucksterilisation im Autoklaven oder Schnellkochtopf – üblich sind ca. 121 °C bei rund 15 PSI über etwa 15–30 Minuten. Erst dadurch werden hitzeresistente Sporen sicher abgetötet; bloßes Aufkochen reicht nicht und führt fast immer zu kontaminierten Platten.
⚠️ Sicherheitshinweis – Dampfdruck (Autoklav/Schnellkochtopf): Beim Sterilisieren entsteht heißer Dampf unter Druck. Es besteht Verbrühungs- und Berstgefahr.
Nur intakte, druckgeprüfte Geräte verwenden und die Herstelleranleitung des Schnellkochtopfs/Autoklaven befolgen.
Überdruckventil und Dichtung vor jedem Gebrauch prüfen; das Gerät niemals gewaltsam öffnen.
Den Topf nach dem Sterilisieren vollständig abkühlen und den Druck vollständig abbauen lassen, bevor du ihn öffnest. Heißen Dampf nicht ins Gesicht leiten; hitzefeste Handschuhe tragen.
Platten gießen
Das Gießen von Platten erfordert etwas Geschick, ist aber schnell erlernt. Nach der Sterilisation lässt du das Medium so weit abkühlen, dass es noch flüssig, aber nicht mehr brühend heiß ist – am besten im Wasserbad auf etwa 50 °C gebracht. Dann werden die Petrischalen zu etwa 20–25 % mit Agar gefüllt: die Schale mit der flachen Hand leicht neigen, das flüssige Agar eingießen und sofort wieder in die Waagerechte bringen. Das Agar erstarrt bei Raumtemperatur innerhalb weniger Minuten. Trocken und vor Licht geschützt aufbewahrt, sind die fertigen Platten Wochen bis Monate haltbar.
Transfers und Isolationen
Transfers und Isolationen sind die Kernkompetenzen. Um eine reine Kultur zu bekommen, nimmst du ein kleines Myzel-Stück von deiner Quelle (mit einer sterilen Impföse oder einem Skalpell) und legst es auf der neuen Platte ab. Unter idealen Bedingungen – 20–25 °C, Dunkelheit oder schwaches Licht – wächst das Myzel innerhalb von 7–14 Tagen zu einer schönen weißen Kolonie.
Bei mehreren Myzel-Fronten auf einer Platte kannst du mit Serienverdünnungen arbeiten: Du schneidest ein winziges Stück aus der vordersten, sauberen Wachstumsfront heraus, überträgst es auf eine frische Platte, lässt es erneut anwachsen und wiederholst den Schritt. Mit jedem Transfer entfernst du dich weiter von möglichen Kontaminanten. Nach drei bis vier Generationen erhältst du in der Regel eine praktisch reine Kultur.
Sauber oder kontaminiert? So erkennst du den Unterschied
Die Unterscheidung zwischen sauberer und kontaminierter Kultur ist meist visuell und über den Geruch zu treffen. Reines Myzel ist weiß oder cremig, breitet sich gleichmäßig aus und riecht neutral oder angenehm pilzig.
Kontaminationen zeigen sich dagegen oft farbig oder durch auffällige Strukturen:
Trichoderma (Grünschimmel): beginnt weiß und färbt sich beim Aussporen rasch kräftig grün (hellgrün bis dunkelgrün); breitet sich aggressiv und schnell aus.
Cobweb (Spinnweb-Schimmel, Cladobotryum/Dactylium): bildet lockere, grau-silbrige, spinnwebartige Fäden, die sich sehr schnell über die Oberfläche legen.
Bakterielle Kontamination (z. B. Bacillus, „Wet Spot“/Nassfäule): zeigt sich als schleimige, nasse, glänzende Flecken mit oft säuerlichem Geruch – nicht als Farbe.
Neurospora (Orange-/Rosa-Brotschimmel): fällt durch eine charakteristische orange bis rosa Färbung auf und breitet sich extrem schnell aus.
Achtung: Ein weißer, flauschiger Belag ist nicht automatisch gesundes Myzel – auch manche Schimmel starten weiß. Entscheidend sind das spätere Aussporen (Farbe), das Wuchsbild und der Geruch. Unbekannte Verunreinigungen sind typischerweise farbig, verbreiten sich schnell und riechen muffig oder unangenehm. Im Zweifelsfall gilt: Platte verwerfen und den nächsten Versuch noch sauberer und steriler angehen.




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